Tempo 30: Fakten zur Sicherheit

am 21. Januar 2016

Wie wäre es, wenn in Ihrer Stadt 50 Prozent weniger Verkehrsunfälle geschehen würden, wenn 90 Prozent weniger Menschen dabei getötet oder schwer verletzt würden, und 50 Prozent weniger Kinder? Und wenn doppelt so viele Kinder wie bisher draußen spielen dürften, weil ihre Eltern die Straßen für sicher halten?

Alles Märchen? Nein. Jede Zahl hat einen realen Hintergrund, und es steckt jeweils eine Erfolgsgeschichte dahinter, bei der die Einführung von Tempo 30 eine entscheidende Rolle spielt.

50% weniger Straßenverkehrsunfälle wurden in der Schweiz erreicht.
90% weniger Getötete oder Schwerverletzte wurden in Kingston upon Hull erreicht.
50% weniger getötete oder schwer verletzte Kinder wurde in London erreicht.
66% der Kinder, die auf der Straße spielen dürfen (nach vorher 31% ) wurde in Edinburgh erreicht.

In Europa sind die Zahlen für Straßenverkehrsunfälle und die Menschen, die dabei verletzt oder getötet wurden, in den letzten Jahren zwar zurück gegangen. Doch das Problem ist weiterhin alarmierend. Deshalb ist es nach wie vor wichtig, die Potenziale von erfolgreichen Lösungen zu kennen und in immer größerem Umfang zu nutzen. Dann könnte es sogar gelingen, diese traurigen Ereignisse allmählich auszumerzen.

Die schon genannten Beispiele sind besonders eindrucksvoll. Aber sie sind nicht die einzigen. Wir fanden viele Städte, die nach der Einführung von Tempo 30 deutliche Fortschritte für die Sicherheit verzeichnen konnten. Etliche Erfolgsgeschichten wurden analysiert und dokumentiert, und einige Resultate stellen wir hier vor.

Wir fanden einzelne umfangreiche Studien, die eine größere Zahl von beteiligten Städten bzw eine lange Zeit mit vielen Daten abdeckten, und daneben Dokumentationen aus verschiedenen einzelnen Städten. Sie alle kommen zu dem eindeutigen Schluss, dass Tempo 30 für die Straßenverkehrssicherheit hilfreich ist. Die Unfallzahlen sinken, und die Schwere der erlittenen Verletzungen geht zurück.

Eine Reihe einzelner Städte hat außerdem eigene Studien durchgeführt. Sie bestätigen die Fakten aus den großen Studien. Hier sind die Daten und Fakten

Eine Reihe einzelner Städte hat außerdem eigene Studien durchgeführt. Sie bestätigen die Fakten aus den großen Studien, und außerdem tragen sie interessante neue Aspekte bei.

Unfälle Einzelstädte

Buxtehude: Details

Als erste Stadt mit einer Tempo 30-Zone hat Buxtehude bei den wissenschaftlichen Begleituntersuchungen auch methodisches Neuland betreten.

Seitdem ist es üblich, dass man bei Tempo-30-Tests Vergleiche anstellt. Entweder wird die Zeit davor mit der Zeit nach der Einführung verglichen, oder man vergleicht 30-km/h-Strecken/Zonen mit ähnlichen Tempo 50-Bereichen der Stadt. In Buxtehude hat man beides gemacht. Zum Vergleich der Vorher- und Nachher-Phasen wurden jeweils 2 Jahre verglichen. Zum örtlichen Vergleich wurde eine doppelte Versuchsanordnung konzipiert, wobei zum Einen die Tempo-50-Straßen im untersuchten Stadtteil selber Vergleichsdaten lieferten, zum Anderen auch die südliche Hälfte der Stadt, die Tempo 50 komplett behalten hatte. Die Resultate sind interessant, aber erklärungsbedürftig.

Buxtehude vorher-nachher

Der Vergleich zeigt, dass zwar die Zahl der Unfälle zugenommen hat, die Sicherheit durch Tempo 30 aber dennoch gestiegen ist. Denn die Personenschäden (- 60%) und die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten (- 75%) hat erheblich abgenommen.

Es bleibt die Frage, ob möglicherweise in den anderen Straßen der Stadt dasselbe geschehen ist, oder ob tatsächlich ein besonderer Effekt durch Tempo 30 bewirkt wurde.

Buxtehude verschiedene Gebiete

Diese Darstellung zeigt die verschiedenen Tempo-50- und Tempo-30-Straßen im Vergleich. Man kann sehen, dass die Unfallzahlen überall nach oben gehen, auch in den deutschlandweiten Statistiken. Das ensprach damals dem Trend und war nichts Ungewöhnliches
Daneben fällt aber auf, dass Personenschäden bei Tempo 30 deutlicher als in den anderen Bereichen zurück gehen. Und die Ergebnisse der Stadt Buxtehude insgesamt fallen wiederum besser ausgefallen als deutschlandweite Durchschnitt.

Nur auf den Hauptstraßen der nördlichen Kernstadt, wo weiterhin Tempo 50 galt, haben die Personenschäden entgegen dem Trend zugenommen. Eine Erklärung dafür wurde nicht gefunden, obwohl die Forscher verschiedene Details der Infrastruktur (wie Knoten, Kreuzungen) ebenso wie Unfallursachen (Abbiegen, Einparken, Gegenverkehr etc) und beteiligte Personengruppen analysiert wurden. Die Tempolimits als Ursache kommen jedenfalls offensichtlich nicht in Frage.

Vermutlich wird die Statistik dadurch beeinflusst, dass in kleineren Städte weniger Unfälle passieren und vergleichsweise kleine Veränderungen in den Fallzahlen schnell die Statistik beeinflussen. So wie in Warrington (Großbritannien), wo einzelne Unfälle unter Beteiligung von Bussen die Statistik veränderten. Ähnliche Erfahrungen wurden auch in Portsmouth (Großbritannien) gemacht, wo sich ebenfalls eine Steigerung in den Prozentzahlen für Personenschäden, mit unklaren Ursachen, zeigte.
Die umfangreiche Zusammenschau der großen und kleinen Städte mit Untersuchungen zu Tempo 30 ergibt aber am Ende einen stabilen und eindeutigen positiven Trend.

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