Verkehrslärm und Gesundheit

Tempo 30 innerorts senkt den Verkehrslärm um 3 bis 4 Dezibel (dbA) gegenüber Tempo 50. Das entspricht einer Halbierung des wahrgenommenen Lärms – eine deutliche Erleichterung.

Das ist nicht nur nett für besonders empfindliche Leute, sondern eine Notwendigkeit für die Gesundheit aller. Denn laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen aufgrund von Verkehrslärm europaweit jedes Jahr über eine Millionen gesunde Lebensjahre verloren. Außerdem erkranken in Europa durch Verkehrslärm jährlich durchschnittlich 245.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 50.000 Menschen sterben.[1] Dabei ist es unerheblich, ob man den Lärm bewusst wahrnimmt oder nicht. Der Körper reagiert immer.

Lärmschutz ist Gesundheitsschutz. Und wenn es gelingt, mit einem 30 km/h-Limit die Halbierung des Verkehrslärms zu erreichen – und zwar überall dort wo Menschen leben, – dann ist das ein wichtiger Beitrag zum Gesundbleiben.


[1] WHO, Pressemitteilung vom 30.3.2012

11 Kommentare

  1. Oben schon erwähnt – 10 dB ist eine Halbierung. 3dB nimmt man wahr. Und 30 bringen beim PKW weniger als 5dB, eher 2dB. LKWs können laut sein, gerade über Schlaglöcher.
    Es ist traurig, dass die Menschen, die unser System rund um die Uhr am laufen halten ausbaden müssen, was quasi nichts bringt. Es erscheint wie eine Hexenjagd. Andere kritische Stimmen gibt es, denen ich nicht beipflichten möchte (wegen zuvor genanntem): Kaufe billig ein Haus und beruhige die Straße zur Wertsteigerung auf Kosten der Allgemeinheit.

    Ich selber wohne an einer Straße die laut ist und 30 wurden eingeführt. Leider. Der Effekt ist nicht vorhanden und selbst muss ich gefühlt fast mehr auf den Tacho sehen als auf die Straße. Es ist gefühlt ein Minderwert.

    • Dem muss ich beipflichten. Seit bei uns eine 30-Zone steht, bin ich mit meinem Fahrzeug (VW Polo) wesentlich lauter als zuvor. Vorwiegend liegt das daran, dass ich nun um 30km/h zu fahren gut 2500 Umdrehung mit dem Antrieb fahren muss statt 2000 Umdrehung bei 40km/h oder 50km/h. Da die Stadtverwaltung neben neuen 30-Zonen auch noch die Hauptstraße mit 30km/h gespickt haben, bin ich ehrlich geneigt vo anders hin zu ziehen, weil ich aus meinem Wohnviertel gar nicht mehr vernünftig weg komme. Ich bin nicht gründsätzlich gegen 30km/h, wenn es tatsächlich gefährliche Stellen sind – was aber in meiner Ortschaft vielleicht nur in einem von zehn Fällen der Fall ist – doch alles mit 30km/h Schildern voll zu stellen ist dämlich. Der Lärmschutz ist immer gleich 0, weil kaum ein Fahrzeug auf 30km/h ausgelegt ist. Hinzu kommt, wenn man ein Haus an einer Hauptstraße kauft, sollte man damit rechnen, dass es laut werden kann. Zuletzt noch als Witz am Rande: Was bringt eigentlich eine wegen Lärm auf 30km/h Beruhigte Straße, wenn gleich nebenan eine Bahnstrecke verläuft, wo die Bahn alle 5 Minuten schwere Güterzüge vorbeifahren lässt. Ich glaube, gegen den Lärm kann ich niemals anstinken, selbst wenn diese nur 20km/h fahren.

  2. Das Tempo 30 den Verkehrslärm reduziert und die Sicherheit erhöht dürfte mittlerweile auch der dümmste Verkehrsteilnehmer kapiert haben. Nicht weniger Nerv tötend sind die durch den jährlich zunehmenden Spaßlärm erzeugten, teils kilometerweit hörbaren Lärmspitzen durch manipulierte bzw. mit Klappen regelbare Auspuffanlagen. Dieses asoziale und jeder Rücksicht entbehrende Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen nur um Spaß zu haben ist krank. Teils mit weit über 100dB und dem Segen der von der Fahrzeuglobby gesteuerten EU Gesetzgebung werden gleichzeitig zig Milliarden an Steuergeldern für Lärmschutzmaßnahmen ausgegeben. Bezahlt wird es von uns allen.

  3. Wessen Interessen vertritt der Landesbetrieb Mobilität RP?
    Ab 4Uhr früh knattert, dröhnt und röhrt der Verkehr stinkend mitten durch Offenbach a.d.Queich! Wir haben eine Umgehungs-straße. Trotzdem verweigert der LBM die Umleitung des Durchgangs-verkehrs über die Umgehung! Obwohl Messungen mit Stoppuhr ergeben haben, dass man durch den Ort doppelt so lange braucht als über die U-straße! Die Bitte, wenigstens Tempo 30 einzuführen, wurde schon vor Jahren vom Landesbetrieb Mobilität (Immobilität) abgeschmettert.
    Was kann man tun gegen diese unglaubliche Borniertheit??

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,
    2 Fragen:
    1.
    gibt es Personen die sich damit beschäftigt haben wie es möglich sein könnte, den Verlust von Gesundheit, den Verlust von Lebensqualität, den Verlust der Nutzung des Hab und Gutes (Garten, offene Fenster, usw) sowie die Schlechterbehandlung gegenüber Personen die dem Verkehrslärm nicht ausgesetzt werden (durch Entscheidungen der Gemeinden und Städte etc) aus dem Titel “Schädigung/Ungleichbehandlung durch Verkehrslärm” am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einzuklagen?
    Denn diese Rechte sind europäische Menschenrechte und sollten somit doch durchsetzbar sein.
    2.
    Gibt es Rechtsanwälte die bereit wären, solche Klagen zu betreiben und mit ihren Honoraren in einem Rahmen zu bleiben, dass ein Normalverdiener diesen Weg gehen kann?

    sollten sie diese Fragen beantworten können, ersuche ich sie mit mir Kontakt aufzunehmen.
    danke

  5. Tempo-30 innerorts als Regelgeschwindigkeit geht in die richtige Richtung. Allerdings liegt die mögliche Pegelreduktion bei etwa 2 bis 3 dB(A). Eine Halbierung der Lautstärke empfindet der Mensch jedoch erst bei einer Pegelabsenkung von etwa 10 dB(A). Und: Wie man dB(A) schreibt ist jetzt klar. Mich wundert allerdings, dass die doch renommierten Partner-Organisationen aus dem Lärm-Bereich hier noch nicht korrigierend tätig geworden sind.

  6. zuerst auf eine Hauptstraße ziehen und dann aufregen wie der Status Quo aussieht, cool, als nächstes wollen sie in die Umgebung des Fraports ziehen und die Landungen reduzieren aha

    • Vor 40 Jahren zog ich an den Stadtrand von Bremen, allerdings an eine Ausfallstraße zur nächstgelegenen Kleinstadt.
      Alle zwei Stunden kam ein Linienbus vorbei, ab und zu mal ein Auto.
      Mittlerweile wurde stadtauswärts von mir viel gebaut.
      Die lärm- und gestankgeplagten Bremer zog es in’s Umland.
      Geplante und schon trassierte Entlastungsstraßen wurden aus Gründen zunehmender Autofeindlichkeit örtlicher Politiker nicht vollendet,– das teilweise auch wegen zunehmender Verschwendungssucht auf anderen politischen Gefechtsfeldern als denen der Verkehrspolitik.

      So habe ich heute Autobusse im 5-Minutentakt vor der Tür. Der Strom der übrigen Autos sorgt dafür, dass ich oft minutenlang warten muß, um mein Grundstück verlassen zu können.
      Eine nach einer Kurve sichtbar werdende Verkehrsampel sorgt dafür, dass der Straßenabschnitt vor meiner Haustür zur Rennstrecke derer wurde, die die Ampel bei noch Grün erreichen wollen. Das hat mich schon mal beinahe das Leben gekostet.
      Die Strasse, an der ich wohne, ist im Lärmkataster der Stadt als mit über 70 db(A) belastet angegeben.
      Ich bin aus wirtschaftlichen Gründen, wegen der sonst paradiesischen Wohnlage und wegen der sozialen Einbindung der Kinder von dort nicht wieder weg gekommen.

      Mein Bluthochdruck mit der Folge einer starken Arterienverkalkung sind nach der Aussage meines Hausarztes die unausweichliche Folge des Lärmstresses, dem ich mich jahrzehnetlang ausgesetzt habe ( mal abgesehen vom Anteil der Ehefrau daran)
      Wenn Sie mit Ihrem Beitrag sagen wollen, dass Menschen wie ich selbst schuld seien an der Situation, in der sie jetzt leben, dann muss ich das weit von mir weisen.
      Ich habe schließlich keine hellsehrischen Fähigkeiten.
      Aber ich meine schon, dass ich ein Recht darauf habe, dass die Mitmenschen, die an meiner Haustür vorbeifahren, sich an die Verkehrsregeln halten, was in diesem falle Tempo 50 bedeutet.
      Und wenn es um angedachtes Tempo 30 in Wohnstraßen geht: Die Straße, an der ich wohne, ist zwar Ausfallstraße einerseits, aber in diesem mehrere Kilometer langen Abschnitt auch reine Wohnstraße. Gleiches Recht für Alle.

      • Hallo, wir haben hier ein ähnliches Problem am Bremer Stadtrand ( v.a. völlig überzogener und noch dazu nachweislich nicht notwendiger Busterror der Gesundheit, Immobilien und Lebensqualität zunichte macht. )Wir wollen nun gemeinschaftlich verwaltungsrechtliche Schritte gehen. Falls Sie Interesse haben würden wir uns über eine Rückmeldung freuen denn gemeinsam kann man mehr erreichen. viele Grüße

    • Es gibt auch Menschen, die an einer Hauptstraße bereits geboren wurden. Auf Kosten des Neuen Wohnungsbaus müßen die Altbürger an den Hauptstraßen den Lärm und Ruß ertragen. Die sogenannen Neubürger leben in ruhigen Ortsstraßen ertragen weder Lärm noch Abgase und legen Wert darauf, dass Sie mit 50 kmh uns beschallten können.

  7. Ich bin heute beim Suchen auf diese Initiative bzw. Website gestossen. Ganz, ganz toll. Wir, meine Frau (50) und ich (54)wollen nämlich kurzfristig eine Unterschriftenaktion durchführen, um hier in Lenzen (Elbe) für den Bereich der Hamburger Straße (30er Zone + LKW-Fahrverbot seit ca. 5-6 Jahren – Wir wohnen hier seit Juli 2012) massiv dafür zu kämpfen, dass dieses auch durchgesetzt wird. Augenblicksmessungen der Polizei werden benutzt, um bis zu höheren Behörden/Körperschaften die reale Situation der Raserei in unserer 30er-Zone wegzureden und als subjektives Wahrnehmungsproblem darzustellen! – Das lassen wir uns nicht länger gefallen!!!

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