Gibt es das “verkehrssichere” Kind?

Wie müsste ein “verkehrsangepasste” Kind denn sein?… 

 

–  Mindestens 150 cm groß, damit es über parkende Autos und andere Hindernisse hinweg sehen kann;
–  mit den Proportionen eines Erwachsenen, damit es seltener hinfällt; also mit einem Körperschwerpunkt ungefähr in der Bauch-Beckengegend;
–  mit einem Gesichtsfeld von ungefähr 180 Grad;
–  mit dem Vermögen, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und komplexe Beobachtungssituationen zu durchschauen und zu beherrschen;
–  mit der Gehsicherheit und dem Sprintvermögen eines trainierten Sportlers, aber
ohne Bedürfnis nach Platz, Bewegung und Toben;
–  immer voll aufmerksam und im fehlerlos im Einhalten von Regeln;
– ohne Entdeckungsdrang. Es muss sich wohlfühlen, wenn es ständig beaufsichtigt wird,
und sich selbstverständlich unterordnen.

 

Weil kein Kind so angepasst ist, muss der Straßenverkehr sich an die Kindern mit ihren wirklichen Eigenschaften anpassen. Nach einer Studie des Royal Holloway College (London University) haben Kinder beispielsweise große Schwierigkeiten, die Fahrstrecke und Geschwindigkeit eines nahenden Autos einzuschätzen, wenn es 40 km/h und schneller fährt. Wo also Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, können 50 km/h keine angemessene Geschwindigkeit sein.

Warum Tempo 30-Zonen vor den Schulen nicht reichen

Nehmen wir zum Beispiel die Zahlen aus Großbritannien: Der Hauptradius von Tempo-30-Zonen vor Schulen beträgt hier nur 300 Meter, während der englische Schulweg im Durchschnitt 1,8 km lang ist. Folglich decken die Schulsicherheitszonen nur 17% des gesamten Weges ab. Und am Ende dieser Zonen werden die Fahrer daran erinnert, auch bestimmt wieder 50 Kilometer zu fahren[1]..

Wir sollten sicher gehen, dass den Kindern bessere Bedingungen für das Gehen und Radeln gegeben werden. Die Gesamtheit des ganzen Schulwegs gehört selbstverständlich dazu, nicht nur die letzten Meter. Und auch der Weg zu den Freunden und zum Spielen, dem Kino, dem Schwimmbad, der Bücherei……. Wir brauchen ein 30 km/h Tempolimit in der ganzen Stadt und im ganzen Dorf

Solange 30 km/h nur in einzelnen Zonen gelten – und mangels Regelbewusstsein oft genug missachtet werden – wird man weiterhin Notizen wie diese aus Deutschland lesen müssen: dass nämlich die Zahl der Kinder, die im Straßenverkehr getötet wurden, während sie als Fußgänger unterwegs waren, im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 22 % zugenommen“ hat. (Statistisches Bundesamt 2011c[2]).

Quellen:
(1] Quelle: 20s plenty for us; How school zones are not a priority;
[2]
Statistisches Bundesamt (2011c): Unfallentwicklung auf deutschen Strassen 2010 – Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 6. Juli 2011 in Berlin. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

 

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