Europäische Fahrrad-Vereinigung (ECF): Höchste Priorität für Tempo 30!

am 12. Mai 2013

Heute ist der letzte Tag der UN globalen Woche für Straßenverkehrssicherheit.  Der europäische Dachverband von 68 nationalen Fahrrad-Clubs, ECF, nutzte die Woche, um sein Engagement für Tempo 30 nachdrücklich zu erklären, auch auf der UN-Konferenz am 6.Mai 2013 in Brüssel. Ceri Woolsgrove, ECF-Experte für Straßensicherheit, nennt Fakten, die ECF zu ihrem Engagement gebracht haben.

 

Die Kraft von Tempo 30

Tempo 30 km/h funktioniert in der Theorie und in der Praxis. Deshalb sollte es bei den geltenden Tempolimits in unseren europäischen Städten und Dörfern die oberste Priorität bekommen.

ECF unterstützt das Europäische Volksbegehren für Tempo 30 innerorts, das die EU-Kommission dazu verpflichten will, die Möglichkeit eines regulären Tempolimits von 30 km/h innerorts zu prüfen. Es gibt viele Gründe, warum wir diese Initiative unterstützen und gemeinsam mit vielen anderen Organisationen in ganz Europa verfolgen.

Derzeit liegt die Höchstgeschwindigkeiten auf den europäischen innerörtlichen Straßen bei 50 km/h, natürlich mit vielen Ausnahmen, wo niedrigere Geschwindigkeiten vorgeschrieben sind. Neue Analysen von Unfällen mit Todesfällen in London, wo die Opfer auf dem Fahrrad unterwegs gewesen waren, ergaben, dass praktisch alle tödlichen Zusammenstöße auf Straßen mit Tempo 50 oder mehr passierten[1]. Überhöhte Geschwindigkeit verursacht ungefähr ein Fünftel aller Zusammenstöße, und als maßgeblicher Faktor ist sie für ein Drittel aller Unfalltoten im Straßenverkehr verantwortlich.

Untersucht wurde auch die Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls, wenn ein Auto bei verschiedenen Geschwindigkeiten mit einem zu-Fuß-gehenden Menschen zusammentrifft[2]:

• Bei einem Zusammenstoß bei 40 Meilen (64.4 km/h) werden 90% der Fußgänger getötet;

• Bei einem Zusammenstoß bei 30 Meilen (48.3 km/h) werden 20% der Fußgänger getötet;

• Bei einem Zusammenstoß bei 20 Meilen (32 km/h) werden 3% der Fußgänger getötet;

 

30 km/h funktioniert als Lebensretter

Eine norwegische Studie[3] hat nachgewiesen, dass ein 10% ige Reduktion der Durchschnittsgeschwindigkeit zu einem 37,8%igen Rückgang von Unfällen mit Toten und Schwerverletzten führt.

Das „Britische Medizinische Journal“[4] stellte fest, dass die Einführung von Tempo-30-Zonen in einem Zeitraum von 20 Jahren (1986 – 2006) die Verkehrssicherheit für alle, Menschen jeden Alters und in allen Verkehrsmitteln, beträchtlich verbessert hat. Bei  Kindern unter 15 Jahren konnte die Zahl der Todesfälle oder Schwerverletzten mit bleibenden Schäden in Tempo-30-Zonen halbiert werden.

Wer die speziellen Details einer einzelnen Stadt verfolgen will, findet in Graz in Österreich ein perfektes Beispiel. Graz war die erste europäische Stadt, die stadtweit Tempo 30 einführte. Ungefähr 800 Kilometer des insgesamt 1000 Kilometer langen Straßennetzes wurden dort verkehrsberuhigt[5].

 

Die Ergebnisse aus Graz:

– Schon nach den ersten 6 Monaten wurde eine Reduktion schwerer Unfälle um 24% festgestellt.

– Die Stadt erlebte einen deutlichen Zuwachs an Fahrradverkehr und anderen aktiven Mobilitätsformen.

Sobald die Straßen frei von schnell fahrenden Fahrzeugen sind, werden sofort mehr Leute ermutigt, ihr Fahrrad zu nehmen, was gleichzeitig die Sicherheit für alle verbessert. Zusammen mit den tatsächlich auftretenden Risiken sank auch die Angst davor – beides ist gleich wichtig, wenn man mehr Menschen zum Fahrradfahren bewegen möchte.

Das Konzept hat Graz einen echten Nutzen gebracht hat, ohne dass das Straßennetz mit hohen Kosten erweitert werden musste. Damit es funktionierte, war allerdings eine konsequente Einführung und dann auch die Überwachung von Tempo 30 wichtig.

Die Frage, wie wir neue und bessere Wege finden, um den Bürger.innen lebenswertere und nachhaltigere Städte und Lebensräume zu bieten, wird an Bedeutung zunehmen. Dabei spielen unsere Verkehrssysteme eine Schlüsselrolle. Und es sind die Verkehrssysteme, die derzeit leider die größte Bedrohung für das Leben in der Stadt darstellen, mehr als Verbrechen, Feuergefahren oder Industrieunfälle. Gleichzeitig sind sie es, von denen wir im Alltag abhängig sind und die wir täglich benutzen müssen.

Tempo 30 kann nützlich sein, um mit dem motorisiertem Verkehr in unseren Städten und Dörfern gut zurechtzukommen. Es gibt keine Notwendigkeit, schneller zu fahren – viel eher ist es notwendig, mit Nachdruck die aktiven Mobilitätsformen zu fördern und damit Gesundheitsprobleme, Sicherheitsrisiken und Staus gleichermaßen zu bekämpfen – und am Ende schönere Lebensräume zu schaffen und lebendig zu erhalten.

  Der Autor, Ceri Woolsgrove aus Großbritannien, ist Politik-Referent
und ECF Experte für Straßenverkehrssicherheit

Literatur:

[1]     Analysis of police collision files for pedal cyclists in London, 2001 – 2006, TFL
 http://www.trl.co.uk/online_store/reports_publications/trl_reports/cat_road_user_safety/report_analysis_of_police_collision_files_for_pedal_cyclists_in_london_2001___2006.htm

 [2]    Facts: Speed, Royal Society for the Prevention of Accidents, 2009 , in Braking point 20mph speed limits in London, April 2009
http://www.20splentyforus.org.uk/UsefulReports/braking-point-20mph.pdf

 [3]    Elvik, R et al (2004) Speed and road accidents: an evaluation of the Power Model
https://www.toi.no/getfile.php/Publikasjoner/T%D8I%20rapporter/2004/740-2004/740-2004.pdf

 [4]    Effect of 20 mph traffic speed zones on road injuries in London, 1986-2006: controlled interrupted time series analysis, Grundy et al, British MedicalJournal, Sep 2009.   http://www.bmj.com/content/339/bmj.b4469.full

 [5]    Manfred Hoenig, The Graz traffic calming model and its consequences for cyclists, 2000, Department of transportation, City Council Graz http://www.velomondial.net/velomondiall2000/PDF/HONIG.PDF

 

 

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